Die neunte Klasse – hoffnungsvolles Tor in die Zukunft

Das letzte Schuljahr birgt seine speziellen Herausforderungen, gerade auch, wenn schon am Anfang des Schuljahres die Lehrverträge unter Dach und Fach sind und man eigentlich gerne mit der Ausbildung loslegen möchte. Wie füllen wir diese Zeit noch sinnvoll und gewinnbringend für alle Seiten?

Einige Elemente sind an der Schuko Thun schon bewährt: Die 9. Klässler absolvieren im ersten Semester an einem Nachmittag pro Woche einen Sozialeinsatz in unterschiedlichen Institutionen der Umgebung, im zweiten halben Jahr bearbeiten sie eigenständig ein Projekt zu einem selbstgewählten Thema. Ausserdem haben sie die Möglichkeit, einen Fremdsprachenaufenthalt zu organisieren, am zukünftigen Arbeitsort einen Einsatz zu leisten oder innerhalb des Schulbetriebs Aufgaben zu übernehmen.

Unsere drei 9. Klässler erzählen von ihren Erfahrungen

Jan, Lehrstelle als Automobilfachmann: «Ich konnte an einem Nachmittag pro Woche in meinem zukünftigen Lehrbetrieb arbeiten gehen. Es hat mich sehr motiviert, einen vertieften Einblick in den Berufsalltag zu bekommen und schon etwas eingearbeitet zu werden in die Abläufe und Tätigkeiten.»

Liona, Lehrstelle als Fachfrau Betreuung Kinder: «Jeden Freitag durfte ich für 2 Lektionen im Kindergarten mithelfen. Das hat mir sehr gefallen und war auch eine gute Erfahrung für meinen zukünftigen Beruf, den ich in einer Kita erlernen werde. Ich konnte die einzelnen Kinder beim Spielen begleiten und durfte zum Teil auch Aktivitäten selber planen und vorbereiten, wie zum Beispiel eine Bastelarbeit.»

Licia, Lehrstelle als Konditor/Confiseurin: «Mir hat es sehr gut gefallen, dass wir im WAH für den Mittagstisch kochen konnten. In der 8. Klasse haben wir für 4-6 Personen gekocht, nun aber Mengen für eine Gruppe von bis zu 25 Personen. Wir mussten auch möglichst rechtzeitig fertig sein, damit der Mittagstisch pünktlich beginnen konnte. Das hat uns gefordert, gut zu planen und effizient zu arbeiten, was mir in der Ausbildung sicher dienen wird.»

Projektarbeit

Bei der Projektarbeit haben sich alle 3 Schulabgänger dafür entschieden, ein Buch herzustellen: Liona ein Backbuch ihrer Lieblingsrezepte, Jan ein Sushi-Kochbuch und Licia eine selber verfasste und illustrierte Geschichte für Jugendliche.

Ihre Erfahrungen dabei:

Jan: «Ich finde es toll, dass wir wirklich ganz frei wählen konnten, was wir machen wollen. Unsere eigenen Möglichkeiten waren die einzige Einschränkung! Planen und sich an die Planung halten ist sehr wichtig, damit man nicht in Stress kommt und auch wirklich fertig wird. Ich würde bei einem nächsten Mal sorgfältiger planen und beim Machen mehr aufschreiben, damit ich es nachher leichter hätte für die Dokumentation.»

Licia: «Das Illustrieren der Geschichte hat mir sehr gefallen, da Zeichnen ein grosses Hobby von mir ist und es richtig Spass macht, am Ende ein Produkt in den Händen zu halten. Ausdauer und Durchziehen bis zum Schluss lohnt sich! Diese Erfahrung nehme ich mit für meine Zukunft.»

Liona: «Ich weiss jetzt, wie das geht, ein Buch zu gestalten. Es braucht zwar viel Geduld und Aufwand, aber ich habe etwas gelernt, was ich wieder brauchen kann, zum Beispiel für ein persönliches Buch-Geschenk.»


Creatio

«Was ungerscheidet d’Mönsche vom Schimpans?», fragt Mani Matter in seinem Lied «Hemmige», «S’isch nid die glatti Huut, de fählend Schwanz». Nein, ein wesentliches Element unseres Menschseins ist, dass wir kreative Möglichkeiten haben wie keine andere Spezies auf der Welt. Diese wunderbare Eigenschaft der Menschen wollen wir an der Schuko ganz besonders pflegen und entfalten. Zu dem Zweck haben wir ein Gefäss geschaffen: Creatio.

Jeder Montagnachmittag ist für die 6.-9. Klasse dafür reserviert. Während einiger Wochen entscheiden sich die Schülerinnen und Schüler für ein kreatives Projekt, welches sie in klassenübergreifenden Kleingruppen gemeinsam mit einem Experten aus dem Kreis der Eltern, Lehrer oder Freunden der Schulkooperative entwickeln und umsetzen. Da wird gemalt, gesägt, modelliert und gebacken und dabei geschwitzt, gestaunt und sich gefreut über Fortschritte und gelungene Endprodukte.

Nach bald einem Jahr in diesem Format ziehen wir eine positive Bilanz: Die Schülerinnen und Schüler konnten sich in den verschiedenen Gestaltungsbereichen betätigen und weiterentwickeln, konnten eigene Ideen einbringen und realisieren, profitierten von wechselnden Experten und Lerngemeinschaften und hatten am Schluss Produkte, auf die sie stolz sein konnten und die auch andere Menschen erfreuten.


Lernen im Wald 

Jeden Mittwoch machen sich die Kinder des Kindergartens Thun auf den Weg in den Wald. Schon der kurze Weg vom Parkplatz zum Waldplatz steckt voller spannender Entdeckungen. Im Frühling lädt die Sonne dazu ein, mit dem eigenen Schatten zu spielen, im Sommer werden reife Kirschen vom Baum genascht, im Herbst staunen die Kinder über das bunte Laub und überlegen gemeinsam, warum die Blätter von den Bäumen fallen. Die Natur schenkt uns Woche für Woche neue Erlebnisse – Momente zum Staunen, Erforschen und gemeinsamen Nachdenken.

Es ist faszinierend zu beobachten, wie spontan die Kinder in ihre Erlebnisse eintauchen und sich auf die Herausforderungen eines Waldmorgens einlassen.

Eines Morgens entdeckten sie im nahen Bächlein lehmigen Boden. Der Weg dorthin führte jedoch über einen steilen Hang. Schnell war klar: Ein Seil muss her, damit alle sicher hinunter- und wieder hinaufkommen. Nun wurde im Team gearbeitet: Einige Kinder bauten im Bachbett einen kleinen Damm, andere transportierten den Lehm zu einem Baumstrunk. Dort formten diejenigen, denen das Bachbett zu nass und rutschig war, aus dem gelieferten Lehm kleine Tiere. Als es Zeit war, zum Feuer zurückzukehren, halfen sich die Kinder gegenseitig beim Händewaschen – und auch dabei, mit Unterstützung des Seils den Hang wieder hinaufzuklettern. Was für ein Abenteuer!

Nach dem Znüni am Feuer, bei dem Würste, Äpfel, Brot oder Käse brutzelten, nutzten die Kinder den Waldplatz weiter für ihr freies Spiel.

Für viele vergeht die Zeit viel zu schnell, und es heisst Abschied nehmen vom Wald. Bevor wir gehen, besucht jedes Kind noch seinen persönlichen Baum. Dort setzen sie sich einen Moment hin, kommen zur Ruhe und nehmen ihre Umgebung bewusst wahr: Vielleicht wärmt die Sonne ihr Gesicht, ein Regentropfen landet auf ihrer Hand oder eine Ameise spaziert über den Stamm.

Ein gemeinsames Lied ruft alle zurück zum Moosplätzli. Mit dem Rucksack auf dem Rücken machen wir uns schliesslich auf den Heimweg.

Manchmal braucht es Überwindung, bei jedem Wetter in den Wald zu gehen. Doch auf dem Rückweg sind sich meist alle einig: Nächste Woche wollen wir weiterspielen!


Gemeinsam schreiben

«Die Hauptsache ist, dass Kinder gerne zur Schule gehen und Freude am Lernen haben», so wurde im letzten Freundesbrief Utku Celik, der neue Schulinspektor, zitiert. Eine Möglichkeit, diese Freude zu fördern, sehen wir im stufenübergreifenden Wahlfachangebot: Die Schüler und Schülerinnen können sich selber für ein Projekt entscheiden, welches sie interessiert, und in einer altersdurchmischten Gruppe neue Erfahrungen sammeln.

Im vergangenen Semester haben wir in diesem Format eine Schülerzeitung lanciert: Jeden Donnerstag traf sich eine 6-köpfige Schülergruppe von der 5. bis 8. Klasse um den Redaktionstisch und machte sich an die Arbeit. Jeder für sich, zu zweit oder als ganze Gruppe, sammelten sie Ideen, diskutierten, recherchierten, planten Interviews, formulierten Texte, lasen sie einander vor, suchten passende Bilder, kümmerten sich um Layout und Sponsoring.

Die Lektion war regelmässig im Nu vorbei und hätte ruhig länger dauern dürfen. Das Engagement war spürbar und auch die Zufriedenheit, wenn wieder ein Arbeitsschritt geschafft war. Die gegenseitige Unterstützung und Ergänzung entwickelten sich ganz natürlich: Jemand hatte eine Idee, der nächste wusste, wo man etwas dazu findet und die Dritte sorgte dafür, dass der Artikel am Schluss schön aussah.

Auch das Semester verging schnell. Punktgenau in der letzten Lektion konnten wir die fertig gedruckten «Schlossberg-Magazine» an die Freunde der Schulkooperative versenden.

Einige Schüleraussagen dazu:

«Mir hat gefallen, dass ich über das schreiben konnte, was mich interessiert. Eigene Ideen umsetzen macht Spass!»

«Ich habe gar nicht gewusst, wie viel eine solche Zeitung zu tun gibt! Zum Glück konnten wir einander helfen.»

«Am liebsten würde ich gerade wieder mit der nächsten Ausgabe anfangen. Ich wüsste noch viele Sachen, über die ich berichten könnte. Wann machen wir wieder eine Schülerzeitung?»


Der Blick ins Weltall

Staunend blicken die in warme Kleider gehüllten Kinder der Unterstufe an den Himmel. Gerade noch war er mit grauen Wolkenfetzen dicht bedeckt gewesen, der zunehmende Halbmond nur durch einen Schleier knapp sichtbar und nun das… ein offener Himmel! «Ich habe im Auto noch fest dafür gebetet», flüstert mir ein Mädchen zu.

Der neue Leiter der Sternwarte, stellt das moderne Teleskop ein und zeigt uns, wie wir am besten mit einem Auge hindurch blicken. Boas steigt als Erster aufs bereitgestellte Treppchen, hält sich mit der freien Hand ein Auge zu und ein staunendes «Wow, eine Sternschnuppe! Zum ersten Mal in meinem Leben! Eine Sternschnuppe und den Jupiter!» lässt alle erwartungsvoll nach vorne drängeln.

Alle dürfen in Ruhe den gestreiften Planeten bewundern, danach den Saturn mit seinem deutlich erkennbaren Ring, den Orion-Nebel und die tiefen Krater des Mondes. Wer warten muss, darf mit einem Feldstecher den Nachthimmel erforschen. Ein sich langsam bewegender Stern, erweist sich dabei als Pistenfahrzeug am Gurnigel.

Herr Bürki nimmt sich Zeit, die vielen Kinderfragen zu beantworten und leuchtet mit einer Lasertaschenlampe die verschiedenen Sternbilder an. Er freut sich über das Interesse der Kinder. Tief glücklich und berührt fahren wir nach Hause. Wir können Gottes Grösse nur erahnen...


Projektwoche

Als Abschluss und gleichzeitig Höhepunkt des ersten Quartals fand für alle Kinder vom Kindergarten bis zur 9. Klasse eine Projektwoche in Gysenstein statt. Die Schülerinnen und Schüler der Mittel- und Oberstufe verbrachten drei Nächte im Pfadiheim, während die Unterstufe und der Kindergarten als Tagesgäste am vielfältigen Programm teilnahmen. Es war schön zu sehen, wie innerhalb der Klassen, aber auch in den stufenübergreifenden Familiengruppen das Miteinander gestärkt und die Beziehungen vertieft wurden. Zudem durften die Schülerinnen und Schüler erleben, wie Väter, die oft im Schulalltag weniger präsent sind, grosse Teile der Projekttage mitgestalteten, sich für sie einsetzen und an sie glaubten. Den Vätern wiederum bot die Projektwoche die einmalige Chance, die Schulgemeinschaft als Ganzes zu erleben und auch die Mitschüler ihrer Kinder besser kennen zu lernen.

Für die Schülerzeitung hat Hanna (8. Klasse) ein Interview mit ihrem Vater Bruno durchgeführt. Ein Einblick:

Was war euch als Team wichtig während der Projektwoche?

Wir wünschten uns, dass wir alle zusammen Spass und Tiefgang erleben können. Uns war es wichtig, ein gutes Miteinander und gegenseitige Unterstützung zu fördern, so dass diese Woche jedem Einzelnen in guter Erinnerung bleibt.

Wie hast du die Projektwoche persönlich erlebt?

Wir hatten eine sehr motivierte, friedliche, dankbare und fröhliche Stimmung. Es gab viele gute Gespräche, die die Beziehungen gestärkt haben. Ein persönliches Highlight war, wie die stufenübergreifenden Familiengruppen das LandArt-Projekt kreativ umgesetzt haben.